Worum geht es?
Die Kraftwerke Mainz Wiesbaden (KMW) planen zwei neue Gaskraftwerke auf der Ingelheimer Aue.
Die Ingelheimer Aue ist die gewerblich genutzte ehemalige Rheininsel an der Nordspitze der Mainzer Neustadt.
Wer ist die KMW?
Der KMW gehören zu 50 % zu den Mainzer Stadtwerken & zu 50 % zur ESWE Versorgung.
Die ESWE Versorgung ist der zu den Mainzer Stadtwerken analoge Energiedienstleister in der Region Wiesbaden.
Warum reden wir jetzt darüber?
Gaskraftwerke sind im Durchschnitt 30–40 Jahre im Betrieb. Danach dienen sie oft noch als Reservekraftwerke. Mainz und Wiesbaden planen, bis 2035 klimaneutral zu werden, Rheinland-Pfalz bis 2040 und Deutschland bis 2045.
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Warum sehen wir das Vorhaben kritisch – kurz und knapp: Teuer – Riskant – Ungesund
- Erdgas „befeuert“ die Erderwärmung, die den sozialen Zusammenhalt, die Nahrungsmittelversorgung & Gesundheit bedroht.
- Die KMW plant den Bau von 2 neuen, auf unbestimmte Zeit rein mit Erdgas betriebenen Kraftwerken.
- Beantragt wurde jeweils ein ganzjähriger uneingeschränkter Betrieb, das heißt die Kraftwerke dürfen jederzeit laufen, wenn es wirtschaftlich ist.
- Die Nutzung von Wasserstoff wurde für keines der beiden Kraftwerke mit beantragt.
Die Umstellung auf Wasserstoff soll nur erfolgen, falls genug preiswerter Wasserstoff zur Verfügung steht.
- Die Konsequenzen der Kraftwerke fürs Klima entsprächen einer Verdreifachung bis Vervierfachung der Anzahl Autos in Mainz.
- Der Anteil Erneuerbarer Energien der KMW beträgt nur ca. 6,5 % der genehmigten fossilen Leistung. Viel mehr wäre möglich.
- Erdgas ist teuer, macht uns erpressbar und bedroht unsere nationale Sicherheit.
- Erdgas ist gesundheitsschädlich.
- Großbatteriespeicher sind extrem im Preis gefallen und sehr flexibel einsetzbar. Bacharach plant eine 1,6 GWh Batterie zu bauen, hinreichend, um alle Mainzer Haushalte für 2 Tage oder alle Wiesbadener Haushalte für1,5 Tage mit Strom zu versorgen.
- Großbatterien sind ideal mit erneuerbaren Energien kombinierbar.
Mit den beiden neuen Gaskraftwerke torpediert die KMW den Mainzer Stadtratsbeschluss und die Wiesbadener Klimaziele: Klimaneutralität 2035.
Bestehende und geplante Kraftwerke

Die Abbildung zeigt die bestehenden (in schwarz) und geplanten (in rot) Kraftwerke der KMW, sowie das Rechenzentrum, das aktuell gebaut wird (ebenfalls in rot). Detials zu allen bestehenden Anlagen und Zukunftsplänen der KMW stehen auf der Webseite der KMW.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, wie viel Strom und Wärme die Kraftwerke jeweils erzeugen können und wie viel Gas dafür verbrannt werden muss. Die Feuerungswärmeleistung ist dabei ein Maß für die notwendige Menge zu verbrennendes Erdgas. Die Gesamtenergie des verbrannten Erdgas wird in Strom, nutzbare Wärme und nicht nutzbare Wärme umgewandelt. Nicht genutzte Wärme wird in den Rhein oder in die Luft abgegeben.

Kraftwerk 4, das von KMW genannte „Zukunftskraftwerk“
Das KW 4 wurde im Rahmen der Kraftwerksstrategie der letzten Bundesregierung geplant. Aufgrund des vorzeitigen Ampel-Aus wurde die Kraftwerksstrategie allerdings nicht mehr beschlossen. Seither ist die Planung pausiert. Bald soll allerdings die überarbeitete Kraftwerksstrategie von der neuen Bundesregierung beschlossen werden. Zum aktuellen Planungsstand gibt es widersprüchliche Angaben: Zum einen heißt es, dass die Planung pausiert sei, zum anderen ist laut Webseite der KMW die Inbetriebnahme für 2028 geplant.
Kraftwerk 6, das Gasmotorenkraftwerk
Das KW 6 soll laut Webseite der KMW „Energie für eine nahtlose Notstromversorgung“ für das Rechenzentrum liefern. Allerdings ist es nicht ausschließlich für die Notstromversorgung des Rechenzentrums da, sondern soll darüber hinaus, laut Aussagen der KMW, etwa 2000 Stunden im Jahr (knapp 3 Monate durchgehend) laufen. Dazu kommt die Laufzeit, die es von der Bundesnetzagentur angefordert werden würde, was üblicherweise rund 1000 Stunden im Jahr beträgt. Für das geplante KW 6 wurde die Genehmigung beantragt. Es soll 2027 den Betrieb aufnehmen.
Beide Kraftwerke gelten als „H₂-ready“. Dies bedeutet, dass sie später prinzipiell ganz oder teilweise mit Wasserstoff statt mit Erdgas betrieben werden können. Die Nutzung von Wasserstoff wurde für beide Kraftwerke jedoch bisher nicht beantragt.
Nutzung der Abwärme für die Fernwärme
Die Gaskraftwerke KW 4 und KW 6 würden gemeinsam Gas mit einer Feuerungswärmeleistung von 648 MW verbrennen. Davon könnten bis zu 100 MW als Fernwärme genutzt werden.
Der Mainzer Fernwärmebedarf liegt im Sommer unter 20 MW und erreichte an den kältesten Tagen im Jahr 2025 weniger als 200 MW. Bereits heute sind 290 MW Fernwärmeleistung gesichert; zusätzlich könnte das Rechenzentrum bis zu 60 MW Wärme liefern. Mainz verfügt damit bereits über erhebliche Fernwärmekapazitäten. Mehr als 40 % der Fernwärme stammen bereits jetzt aus der Erdgasverbrennung.
CO₂-Fußabdruck der geplanten Kraftwerke
Die folgende Tabelle gibt an wie viele Tonnen Treibhausgase (CO₂-Äquivalente) die geplanten Kraftwerke pro Jahr ausstoßen würden.

Die Berechnung beruht auf folgenden Annahmen:
- 90 % des Erdgas kommt aus Norwegen, Belgien und der Niederlande. Es werden die direkten Emissionen bei der Verbrennung im Kraftwerk und geringfügige Methanleakage bei Förderung und Aufreinigung vom Erdgas berücksichtigt.
- 10 % sind LNG aus den USA. Da LNG aus den USA primär aus Sprengung von Schiefergestein freigesetzt wird, ist es besonders klimaschädlich. In 2025 waren ca. 11 % LNG im Netz, davon 96 % aus den USA. Wir rechnen mit GWP20 (20 Jahre), da Methan ein starkes, aber kein langlebiges Treibhausgas ist.
- Für die Betriebsstunden betrachten wir 2 Szenarien:
1) Die KMW erwartet für KW 6 eine Betriebsdauer von ca. 2.000 Stunden pro Jahr.
2) Mittellastkraftwerke erreichen etwa 2.000–4.000 Stunden pro Jahr. Grundlastkraftwerke erreichen oft 4.000–6.000 Stunden pro Jahr. Deshalb haben wir als 2. Szenario die Emissionen für 3.500 Stunden pro Jahr berechnet.
Zur Veranschaulichung, was diese Zahlen bedeuten, haben wir berechnet, wie vielen zusätzlichen Autos diese CO₂-Emissionen entsprechen würden:

Die Annahmen für diese Berechnung sind:
- CO2 Ausstoß-Benziner: 1,2–1,4 Tonnen CO2 auf 10.000 km
CO2 Ausstoß-Diesel: 1.35–1,6 Tonnen CO2 auf 10.000 km
Wir nehmen daher einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 1,4 Tonnen CO2 auf 10.000 km an. - Durchschnittliche Fahrleistung von PKW (2024): ca. 12.300 km
Damit ergibt sich ein durchschnittlicher CO2-Ausstoß von 1,7 Tonnen CO2 auf 12.300 km. - Bestand an Autos (PKW) in Mainz (2025): 103.000
Die in Mainz zugelassenen PKW stoßen also jährlich insgesamt (103.000 PKW*1,7 Tonnen/PKW) = 175.000 Tonnen CO2 aus.
Der CO2 Ausstoß durch den Betrieb von KW 4 und KW 6 ist also 1,7 bzw. 3 Mal so hoch wie der von allen in Mainz gemeldeten PKW.
Verbände kritisieren Pläne der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden und fordernNeuausrichtung Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) planen neben dem sogenanntenZukunftskraftwerk ein weiteres Gaskraftwerk auf der Ingelheimer Aue zu bauen. Zu diesenPlänen regt sich Protest verschiedener Verbände und Institutionen.“Strom aus Gas ist teuer und extrem klimaschädlich”, so Prof. Friedhelm Schönfeld vonden Scientists for Future Mainz. “Aufgrund extremer Trockenheit als eine…
Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit erheben wir fristgerecht Einwendungen gegen das oben genannte Vorhaben gem. § 10 Abs. 3 Satz 8 BImSchG. Begründung: Mit großer Sorge haben wir gelesen, dass die Kraftwerke Mainz/Wiesbaden ein neues Gaskraftwerk auf Mainzer Gemarkung beantragt haben. In Europa liegt inzwischen die Erwärmung bei 2,5 °C im Vergleich zum vorindustriellen…